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Kurzurlaub in Liechtenstein

Kennen Sie Hans-Adam II. und Marie-Aglaé? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit. Denn in Liechtenstein sind die beiden jedem bekannt, sind sie doch Fürst und Fürstin des Mini-Staates. Das Fürstenhaus zählt zu den ältesten Adelsfamilien Europas, stammen ursprünglich jedoch aus Niederösterreich. Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts kauften die Fürsten die Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz. 1719 wurden beide Gebiete vereinigt und zum Reichsfürstentum Liechtenstein erhoben.

Lisa Carmiggelt

Reiseproducer Liechtenstein

/ NR. 4550


Burg Gutenberg

Liechtenstein, oben am jungen Rhein

"DACH" wird gern genutzt um den deutschen Sprachraum abzudecken, aber halt! Da war doch noch was? Ja, fast könnte man es übersehen. Wer kurz einnickt, ist schon durch. Die Rede ist vom Fürstentum Liechtenstein. Sechstkleinster Staat der Welt, 25 mal 12 Kilometer, 160 Quadratkilometer, 37.000 Einwohner. Zum Vergleich: Berlin umfasst knapp 900 Quadratkilometer. Selbst wenn alle Liechtensteiner in einer Stadt wohnten, würden die sich nicht als Großstadt qualifizieren - dazu braucht es 100.000 Einwohner. Liechtenstein kann man schon mal übersehen - diesen Fehler haben schon ganz andere gemacht. 170 Schweizer Soldaten fielen 2007 unbeabsichtigt ins Fürstentum ein, als sie die unmarkierte Grenze zwischen beiden Ländern überschritten. Die Liechtensteiner bemerkten die Invasion gar nicht, bis ihre Nachbarn sie informierten. Glücklicherweise blieb dieser militärische Zwischenfall ohne Folgen.

Liechtenstein ist also klein und trotzdem ziemlich international. Man spricht deutsch (Korrektur: alemannisch), bezahlt mit Schweizer Franken und gehört zum Schengenraum, aber nicht zur EU. Ausländeranteil: 34 Prozent. Außerdem pendeln 19.000 Arbeitnehmer täglich aus der Schweiz und Österreich nach Liechtenstein, um dort zu arbeiten. Die Hymne dürfte Ihnen bekannt vorkommen, allerdings haben die Liechtensteiner sie schon vor den Engländern auf Deutsch vertextet: "Oben am deutschen Rhein" statt "God save the Queen".

Eigentlich müsste es also DACHL heißen, aber wer sind sie eigentlich, die Liechtensteiner?

Staatssouveränität per Zufall

Schloss in Vaduz

Graf Ferdinand Karl von Hohenems-Vaduz verdankte sein Vermögen einer fiesen Masche: Er ließ im 17. Jahrhundert seine Untertanen als Hexen hinrichten und eignete sich ihr Vermögen an. Das ging nicht lange gut. Doch als er das Geld zurückzahlen sollte, waren die Kassen leer. Was tun? Er verkaufte Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz an Fürst Johann Adam von Liechtenstein. Mehr durch Zufall wurde Liechtenstein 1806 ein unabhängiger Staat: Napoleon nahm es - ohne den damaligen Fürsten zu fragen - in den Rheinbund auf. Beim Wiener Kongress 1815 wurde die Unabhängigkeit bestätigt. Der Zwergstaat hielt sich bis nach dem Ersten Weltkrieg an Österreich - schließlich hatte man die Liechtensteiner Armee schon 1868 aus Kostengründen aufgelöst. Nach dem Ersten Weltkrieg war das neutrale Land arg gebeutelt, sagte sich vom Kriegsverlierer Österreich los und verbrüderte sich mit der Schweiz. Das tat dem kleinen Land gut, das sich als Wirtschafts- und Finanzstandort etablierte - und als Steuerparadies. Schlecht für die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland, gut für den Tourismus. Viele staubten ihre Atlanten ab, um nachzusehen, wo sich denn dieses kleine Land mit den hohen Bergen, grünen Wäldern und der charmanten Architektur befand, das man 2008 ständig in der Tagesschau sah. Liechtenstein wird gern mal vergessen im internationalen Tourismusgeschäft. Dabei liegt es landschaftlich schön im Herzen Europas und dem Alpenbogen. Und das Beste: Ein Wochenende reicht, um sich ein Bild vom Land zu machen.

Alltag im Ministaat

Käsknöpfle

Man kennt sich im "Ländle", wie die Liechtensteiner ihren Staat nennen. Mit "Hoi" (alemannisch für Hallo) werden Sie in Liechtenstein begrüßt und vielleicht gefragt, zu welcher Familie Sie gehören. "Hoi. Wem gehörscht?" tönt das dann. Auch Hans Adam II.a wird so salopp angeredet: "Hoi, Fürscht!" Diese Vertrautheit führt dazu, dass Liechtenstein ein sehr sicheres Land ist: Viele Bewohner schließen ihre Türen nicht ab und lassen ihre Fahrräder ohne Schloss in der Stadt stehen. Nicht mal ein richtiges Gefängnis hat der kleine Staat: Wer zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt wurde, wird nach Österreich geschickt, um seine Strafe abzusitzen. Die Einwohner sind sehr stolz auf ihr Land und auf den Fürsten, auch wenn dieser gern mal polternd auf internationalem Parkett auftritt und in seinem Fürstentum mehr Macht genießt als andere europäische Adelige. Er hat ein umfassendes Vetorecht, doch, wie gesagt, die Liechtensteiner wollen es so - es wurde per Volksentschied beschlossen.

Nationalgericht im Zwergstaat: Riebel, eine Speise aus Maismehl oder Weizengries mit Milchwasser, gekocht und in der Pfanne geröstet. Dazu gibt?s Sauerkäse oder Apfelmus. Auch Spätzlipfannen, Raclette und Fondues finden Sie auf Liechtensteiner Speisekarten. Sehr beliebt sind Käsknöpfle und natürlich wird im Fürstentum auch erstklassiger Wein produziert, sogar von der fürstlichen Hofkellerei selbst, aber auch von anderen Weingütern im Ländle. Ein prämierter Whisky, der Telsington, wird hier gebrannt. Fruchtig-mild soll er schmecken, aber das müssen Sie jetzt einfach glauben, denn er ist jedes Jahr schnell ausverkauft.

Nahe Wege

Hauptanziehungspunkt für Liechtenstein-Besucher ist die Hauptstadt Vaduz mit knapp 5.500 Einwohnern. 120 Meter über Vaduz thront das Schloss Hohenliechtenstein, auch Schloss Vaduz genannt. Hier wohnt Fürst Hans-Adam II. Weht die blau-rote Flagge, ist der Fürst zuhause. Besuchen kann man seine Residenz allerdings nicht, es sei denn, Sie kommen am 15. August, dem Nationalfeiertag. Dann lädt das Staatoberhaupt zum Aperitif in den Schlossgarten ein. An anderen Tagen lohnt sich der Aufstieg trotzdem: Die Aussicht ins Rheintal ist phänomenal. Das meiste von dem Land zu Ihren Füßen ist allerdings Schweizer Boden. Sie wissen schon, wegen der überschaubaren Größe.

Peter Kaiser Platz

In Vaduz selbst gibt es zahlreiche Museen und Sehenswürdigkeiten. Gehen Sie einfach die Fußgängerzone vom Regierungsviertel bis zum Vaduzer Rathaus entlang. Wobei: Kann man von einem "Regierungsviertel" sprechen, wenn das aus nur vier Häusern besteht? Nämlich: dem Regierungsgebäude im Stil der Spätrenaissance und dem modernen Landtagsgebäude, das aus drei Teilen besteht. Der markanteste davon: das Haus im Stil der Berghütten mit spitzem Dach, wie ein Monopolyhaus. Internationales Renommee genießt das Kunstmuseum, das Werke vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart zeigt. Außerdem interessant: Postmuseum, Landesmuseum und Schatzkammer. Im sogenannten Engländerhaus zeigt die Schatzkammer Kostbarkeiten aus der fürstlichen Sammlung, zum Beispiel den Fürstenhut, Mondgestein und ein Fabergé-Ei. Vaduz ist übrigens nicht die größte Gemeinde des Ländles. Schaan im Norden von Vaduz hat 500 Einwohner mehr und ein römisches Kastell aus dem 4. Jahrhundert. Es lohnt sich also, die Stadt zu verlassen, um den Rest des Fürstentums zu erforschen.

Schatzkammer

Ein wenig südlich von Vaduz liegt das Walserdorf Triesenberg. Die Bewohner sind Nachkommen der Viehzüchter und Bergbauern aus dem Wallis, die im 12. und 13. Jahrhundert ihre Heimat verließen. Ihre Schweizer Mundart haben sich die Triesenberger über die Jahrhunderte erhalten - eine nicht unerhebliche Leistung, auch wenn sich dadurch einige Verständigungsprobleme mit dem Rest der Bevölkerung ergeben. Die Walser sind stolz drauf und halten das Andenken an ihre Herkunft hoch - zuerkennen an den urigen Holzhäusern und dem lebendigen Brauchtum. Ganz im Süden (also nicht viel weiter, denn wie bereits gesagt, Liechtenstein ist klein) in Balzers gibt es dann noch eine trutzige Burg zu besichtigen, Burg Gutenberg. Von hier aus blicken Sie ins sogenannte Heidiland, eine Ferienregion in der Ostschweiz.

Falknerei

Flach im Westen, bergig im Osten. Wer in Liechtenstein wandern will, dem erscheint das Land doch nicht mehr so klein. Outdoor-Fans können zwischen vielen verschiedenen Wanderrouten wählen: Liechtensteiner Panoramaweg, Historischer Höhenweg, Fürstin-Gina-Weg, Grüschaweg, Kulturweg Schaan, Philosophenweg Triesenberg ? Klassisch ist die Bergtour über den Drei-Schwestern-Stieg. Die drei Gipfel liegen direkt an der Grenze zu Österreich und bieten einen ungehinderten Blick ins Rheintal. Im Bergdorf Malbun können Sie eine Wanderung mit ungewöhnlicher Begleitung unternehmen: mit einem Steinadler. Der Falkner ist natürlich auch dabei und erzählt Spannendes über die Jagd mit Raubvögeln. Malbun ist auch ein beliebter Ort für den Skiurlaub - schneesicher auf 1.600 Metern gelegen. Langlauf, Snowboarding, Winterwanderungen, Eisklettern und Fahrten mit dem Hundeschlitten - alles ist möglich.

Der Binnenstaat zwischen zwei Binnenstaaten

Weinlese

Wie hinkommen? Liechtenstein hat keine Autobahn und keinen Flugplatz. Wer per Auto anreisen will, nimmt die Schweizer A13, die drei Ausfahrten ins Fürstentum hat. Aus Österreich gibt es keine eigene Autobahnausfahrt, sondern Liechtenstein muss über Feldkirch angefahren werden. Das Busnetz ist sehr gut ausgebaut und versorgt selbst den kleinsten Ort. Die Promillegrenze liegt bei 0,8, wobei zu beachten ist, dass in der Schweiz und Österreich jeweils 0.5 Promille gelten. In beiden Ländern ist die Autobahn mautpflichtig.

Und wie war das jetzt mit den Steuern, die das Fürstentum zum Steuerparadies für Reiche macht? Der Spitzensteuersatz in Liechtenstein ist immer noch niedrig: 18,1 Prozent (Deutschland: 47,48 Prozent). "Wir brauchen gar nicht mehr Steuern", sagt Christian Hausmann, Leiter des Amtes für Volkswirtschaft. Ja, dann?

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